News

Interview Daniel Bohnacker

21. November 2016

So spielt das Leben: Im Zuge der Vertragsverlängerung unserer Kooperation, haben wir Skicrosser Daniel Bohnacker zum Interview geladen. Dabei spricht der Sportler nicht nur über die vergangenen Saisonen, sondern auch wie sich Spitzensport mit dem Alltag vereinbaren lässt. Außerdem gewährt er Einblick in das Umfeld und die Organisation der Skicross-Tour und Olympia. Letzte Woche hat er sich beim Training verletzt - und wird bedauerlicherweise für etwa 6 Wochen ausfallen... Wir wünschen schnelle und gute Besserung!

Schade, dass du den Saisonstart nun verpasst, ab wann denkst du, wirst du wieder angreifen können?
Daniel Bohnacker: 
Natürlich ist es eine blöde Situation sich so kurz vor dem Saisonbeginn zu verletzen. Bei einem günstigen Heilungsverlauf prognostizieren die Ärzte eine Verletzungsdauer von etwa 6 Wochen, sodass ich bei den ersten Rennen im neuen Jahr wieder am Start sein sollte. Der Fokus liegt jetzt natürlich ganz auf den Weltmeisterschaften im März. Bis dahin ist noch genug Zeit, sodass ich mir ausreichend Zeit zum auskurieren der Verletzung nehmen kann.

Wie bist Du eigentlich zum Ski-Cross gekommen?
Daniel Bohnacker:
Das war mehr oder weniger Zufall. Irgendwann empfand ich das Alpinfahren als ein wenig eintönig und es hat auch leistungsmäßig stagniert. Ich habe dann Ski-Cross einfach mal ausprobiert. Diese neue Disziplin hat mir gleich super gefallen. Ich war auch gar nicht so schlecht. So kam eins zum anderen und letztendlich ging alles relativ schnell.

Hast du neben Deinem Sport noch genügend Zeit für Hobbies?
Daniel Bohnacker:
Ja - der Sport spannt einen schon ganz schön ein. Aber es bleibt schon noch Zeit, ab und zu etwas mit Freunden zu machen oder ins Kino zu gehen. Ansonsten hat vieles, was ich sowieso mache, mit Sport zu tun. Ich gehe öfter mal Golf spielen oder auch wakeboarden, und unternehme vieles, bei dem man in Bewegung ist und das sich zum Teil auch ins Training einbauen lässt.

Du hast dein Studium ja schon abgeschlossen. Wie hat der Sport sich damit vereinbaren lassen? Und wie ist es jetzt mit der Arbeit?
Daniel Bohnacker:
Ich habe ja ein duales Studium gemacht. Das war schon eine ziemlich stressige Zeit, weil ich kaum die Möglichkeit hatte, Prüfungen zu schieben, wir keine typischen Semesterferien hatten und auch Anwesenheitspflicht herrschte. Glücklicherweise ist meine Hochschule Partnerhochschule des Spitzensports. Mein damaliger Arbeitgeber hat mir genügend Freiraum gegeben, gerade für die Wettkämpfe. Ich musste aber schon klar priorisieren, was wichtig war und was nicht. Außerdem musste ich extrem effizient sein, denn ich habe damals weniger Trainingstage gehabt als die anderen und musste die bestmöglich nutzen. Das gleiche galt für die Theoriephasen an der Hochschule. Jetzt bin ich bei der Bundeswehr als Sportsoldat das komplette Jahr für Training und Wettkämpfe freigestellt. Das ist schon optimal.

Wie sieht dann dein Jahresablauf aus?
Daniel Bohnacker:
Die Saison geht bis Ende März, dann folgen ein paar Wochen mit Materialtests, dem ein oder anderen Absprungtest, je nachdem wie die Schneebedingungen sind, weil man es da noch auf Naturschnee machen kann. Jetzt im Herbst müssen wir das alles auf dem Gletscher oder Kunstschnee machen, da kann man die Bedingungen nie einschätzen. Danach sind drei bis 4 Wochen Pause, bevor es spätestens Mitte Mai losgeht mit dem Konditionstraining. Seit Mitte Juli sind wir wieder regelmäßig im Schnee - solange, bis die Saison startet.

Gibt es ein Rennen, welches es dir besonders angetan hat oder einen Ort, an dem die Stimmung besser ist?
Daniel Bohnacker:
Bei den Rennen in Deutschland und Österreich sind die Atmosphäre und die Stimmung am besten. Da macht das Fahren echt Spaß. Ansonsten - es ist ja jeder Kurs anders. Ich hab kein Lieblingsrennen, ich hab noch keine Tendenz erkannt, wo es immer gut läuft oder schlecht. Es kommt vor, dass es im Vorjahr an einem Ort nicht so lief und plötzlich ist man dort erfolgreich. Drum: Daheim in Deutschland vor den vielen eigenen Fans ist es natürlich am schönsten!

Gibt es ein Rennen, das dir immer in Erinnerung bleiben wird?
Daniel Bohnacker:
Ja, da gibt es einige. Da ist natürlich das erste Weltcup-Rennen, das ich gewonnen habe in L'Alpe d'Huez in Frankreich. Sowas vergisst man nicht. Dann natürlich die Heimrennen am Tegernsee, die super waren oder so besondere Dinge wie die X-Games in Aspen.

Also ist Deine Olympia-Teilnahme gar nicht so weit vorne bei dir?
Daniel Bohnacker:
Das mit den olympischen Spielen ist so ein Thema. Das war in Sotchi natürlich extrem bitter, weil das Rennen überhaupt nicht lief. Das wird mir durchaus in Erinnerung bleiben, aber eben nicht in so positiver, weil es sportlich schlecht und von den Bedingungen etwas komisch war. Da hat einfach nichts zusammen gepasst. Trotzdem bleibt Olympia schon was Besonderes, weil es vom Ablauf und der Organisation her komplett anders ist, viel eingeschränkter in den ganzen Vorgaben. Es war schon interessant, das mal zu erleben.

Okay, jetzt ist es so, dass es bei euch auf der Strecke etwas härter zugeht als im normalen alpinen Sport. Wie ist es denn abseits der Piste mit dem Konkurrenzverhalten? Ist das Verhältnis unter den Sportlern gut?
Daniel Bohnacker:
Auf der Piste ist es schon ein harter Kampf, Mann gegen Mann, anders als bei den alpinen - wir sind direkte Gegner. Außerhalb der Piste verstehen wir uns alle eigentlich recht gut. Natürlich gibt es auch mal Meinungsverschiedenheiten, gerade nach dem einen oder anderen Zweikampf. Das lässt sich im Nachhinein aber ganz gut klären und dann ist es auch ganz schnell wieder vergessen. Der harte Konkurrenzkampf beschränkt sich schon auf die Strecke.

Wie sieht's denn mit den Zielen für die neue Saison aus?
Daniel Bohnacker:
Eigentlich bleiben die Ziele gleich. Klar, möchte ich bei der WM um Medaillen mitfahren und auch im Gesamtweltcup ganz vorne angreifen, dieses Jahr einfach auch mehr Rennen gewinnen. Das hat aus verschiedenen Gründen nicht immer so funktioniert, wie es mein Leistungsstand eigentlich versprochen hätte. Das gilt es jetzt abzustellen und noch konstanter zu werden. Ob es gelingt, werden wir dann ja sehen.

Was erhoffst du dir bzw. was bedeutet dir die Zusammenarbeit mit PistenBully?
Daniel Bohnacker:
Für mich ist es natürlich wichtig, solche Partner zu haben. Zum einen ist da für mich persönlich die wichtige finanzielle Unterstützung, da wir doch ziemlich hohe Kosten haben. Zum anderen ist es so, dass sowohl wir Sportler im Training als auch der Verband sehr stark von PistenBully profitieren. Wir haben zum Teil eigene Maschinen zur Verfügung, um den Kurs umzubauen, was ohne einen PistenBully gar nicht machbar wäre. Sonst hätten wir gar keine Möglichkeit zum Training. So können wir erheblich flexibler arbeiten, als wenn wir auf ein verfügbares Fahrzeug aus dem Skigebiet warten müssten. Und dann haben wir nicht irgendeine Maschine, sondern in der Regel einen ParkPro, der dann auch die entsprechenden Elemente so bauen kann, wie wir es brauchen.

OK
Diese Webseite verwendet Cookies mehr Informationen